Presse


06.03.2007
KURIER

Mag. Barbara Reiter:
Betreff: Eine Menge gute Nachrichten

Raunzer finden fast überall Gehör. Und Optimisten? Eine Psychologin schafft für sie eine Internet-Seite für Glücksmomente.

Wer mit Heide-Marie Smolka über das Glück plaudert, wird im ersten Moment ein bisschen enttäuscht sein. Vom großen Glück, das sich so viele wünschen, hält die Psychologin wenig. Und sie muss es wissen, immerhin hat sie sich auf Glücksforschung spezialisiert. In Seminaren bringt sie Lernwilligen das Glück näher. " Glück kann man nämlich lernen," ist Smolka überzeugt.

Meldestelle für das Glück Lektion eins: Nicht der Lottogewinn macht glücklich, sondern die Fähigkeit, sich in allen Lebenslagen an kleinen Dingen zu erfreuen. Die Glücksforschung hat gezeigt, dass nicht die Intensität, sondern die Häufigkeit glücklicher Momente ein erfülltes Leben ausmachen. Einer der Gründe für Smolka, nun die erste österreichische Meldestelle für Glücksmomente im Internet ins Leben zu rufen.

"Oft übersehen wird das Glück, weil es zu alltäglich ist. Das soll sich ändern."

Was Smolka damit meint, hat Barbara auf der Seite, die ab kommenden Samstag offiziell in Betrieb geht, bereits kundgetan. Sie freut sich ob der "Vögerl, die schon so zwitschern wie im Frühling."

Der siebenjährige Christoph ist glücklich über "0 Feler beim Diktat", in dem das Wort Fehler offenbar nicht vorgekommen ist. Und Wolfgang liebt es, "wenn ich nach Hause komme und mir die Kinder in die Arme laufen." Das hinter Smolkas Idee mehr steckt als die Tatsache, ein Treffpunkt für unverbesserliche Optimisten zu sein, bewegen Ergebnisse des Forschungszweiges "Positive Psychologie". Pessimismus lähmt laut Experten die Gesellschaft und gilt als Auslöser negativer Entwicklungen. Smolka: "Die Medien berichten vorrangig über Katastrophen, Kriege und Konflikte. Dadurch entsteht in uns das Bild einer bösen Welt."

Begleiterscheinungen Die Folge davon: Die Lebenszufriedenheit sinkt ebenso wie die Arbeitsmoral und die Risikobereitschaft. Was widerrum Sparsamkeit anstatt Konsum nach sich zieht. Das will Smolka mit allen Mitteln verhindern. So wird es neben der Internet-Plattform auch psychische Glücks-Meldestellen geben. Im Hotel Hoschschober auf der Turracher Höhe etwa werden Gäste auf einer Pinwand das Glück anderer nachlesen können und haben die Möglichkeit, selbst positive Erfahrungen schriftlich festzuhalten. Die österreichische Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach hätte vielleicht ihre Freude daran gehabt. Schließlich war es sie die meinte: "Man muss Glück teilen um es zu multiplizieren.

Forschung
Wozu Gefühle gut sind

Angst zu hinterfragen, macht Sinn. Das Gefühl animiert uns nicht nur an Flucht zu denken, sondern bereitet auch den Körper darauf vor. Herzfrequenz und Blutdruck steigen, wir sind auf Flucht programmiert. Wozu Gefühle gut sind, war Forschern lange unklar. Ein Experiment mit Studenten an der Universität Michigan brachte Glücksforscher aber einen Schritt weiter. Die Teilnehmer mussten einen Moment lang schlimmen, schönen und unwichtigen Ereignissen ein positives Argument abgewinnen. Schon nach zwei Wochen hatte sich im Vergleich zu einer Kontrollgruppe ihre psychische Belastbarkeit erhöht. Was laut Forschern auch den evolutionären Sinn positiver Gefühle erklärt. Schon unsere Vorfahren erhöhten damit ihre Chance, bei drohender Gefahr zu überleben – und sich fortzupflanzen.

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