Glücksmoment: 1054 von 8260
Manchmal, wenn ich bei meinem Geliebten übernachte, kann ich nicht schlafen: Seine doofe Rückenschoner-Matratze ist viel zu weich für mich, ich krieg darauf erst recht Rückenschmerzen. Dann wälze mich stundenlang unruhig herum und bin dabei ständig in Sorge, dass ich ihn aufwecke. (Die Nachtruhe des Geliebten ist mir heilig, vor allem wenn er sie sich vor dem Einschlafen redlich verdient hat.) Deshalb raffe ich nach einiger Zeit seufzend Tuchent und Polster an mich, schleiche auf Zehenspitzen aus dem Schlafzimmer und übersiedle schweren Herzens auf die allerdings wirklich gemütliche Polsterlandschaft im Wohnzimmer neben dem Kamin, wo ich herrlich schlafe. Freilich halt allein, was nicht so schön ist.
Früh am Morgen, etwa eine Stunde bevor wir aufstehen müssen, kommt er dann seinerseits mit dem Bettzeug überm Arm auf nackten Sohlen zu mir getappt, weil er mich beim ersten schlaftrunkenen Aufwachen vermisst hat, und gibt mir genau das, wonach ich mich sehne: seine Nähe, Wärme, Umarmung. Und in solch einem Moment intensivsten Glücksgefühls ist letzten Winter ein Marienkäferchen meiner Halskuhle entsprungen – mitten im Februar! Keine Ahnung, wo es zu dieser Jahreszeit herkam. Jedenfalls passiert so etwas nicht alle Tage. Es hat mich gekitzelt, er hat es entdeckt und auf seinen Finger krabbeln lassen, von dort auf meinen, dann haben wir es in der Zimmerpalme abgesetzt, in der Hoffnung, dass es da ein Zuhause findet, bis die Tage wärmer würden.
Es war ein magischer Moment. Ein seltener, intensiver Augenblick des Glücks, den ich gerne in Erinnerung behalten würde bis ans Ende meiner Tage.
